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Prolog

 Wo du schon hier bist, setz dich. Lass dir eine Geschichte erzählen, eine schöne und auch grausame, lustige und traurige, göttliche Geschichte. Denn es gibt zu wenige göttliche Geschichten, die auch von Göttern handeln. Aber hier möchte ich für dich, lieber Leser, eine dieser göttlichen Geschichten niederschreiben. Halbgöttlich.

 

Schon immer war das da oben im Olymp ein einziges Rumgevögel. Aber nein, anscheinend gab es auch noch zu wenig Götter, da hat man sich schon ab und zu an Menschen vergriffen, mehr oder weniger haben die sich aber auch nicht gewehrt. Und die Menschenweiber saßen dann da mit einem Balg, das einen bis zum Mond werfen konnte, und das im zarten Alter von ungefähr drei Jahren. Ja, die Halbgötter waren die Abfallprodukte der Liebeleien ihrer göttlichen Mütter/Väter. Richtig leidtuen konnten sie einem, wussten nichts mit sich anzufangen außer ihre übermenschliche Kraft zu beweisen und auf genetisch verkrüppelten geflügelten Pferden herumzuhoppeln. Kurz: Wandelnde Weicheier.

 Aber nein, ein paar wussten was mit sich anzufangen und begannen, wie sie es nannten, "sich in den Dienst der Menschheit zu stellen". Und natürlich kam das beim einfachen Volk des früheren Griechenland auch ganz gut an, damals, als man noch eine benebelte Tante im Tempel gefragt hat, was passiert, wenn man seinen missratenen Balg in der Wildnis aussetzt oder ob man jetzt seiner Schwiegermutter was zum Geburtstag schenken soll und ob sie sauer ist, wenn man nichts schenkt. Ja, die Leute waren begeistert, und so unarrogant wie man damals als Held war, waren die Halbgötter auch von sich begeistert. Alles war einfach friedlich, freudlich, eierkuchenlich. Und wenn irgendwer das Stimmchen erheben sollte, wurde er einfach mal eben aus dem Weg geräumt, warum auch nicht, man hatte ja die Kraft und den Einfluss dazu.

Aber jeder halbwegs vernünftige Menschenverstand, der bis hierher gekommen ist, weiß natürlich, dass es nach so einem Statement noch ein Wenn und Aber gibt, denn die erlesenen Leute, die das hier zu Gesicht bekommen, haben genügend Grips, um sich das zusammenzureimen. Aber um die Situation zu erklären, muss ich noch weiter ausschweifen. Sehr viel weiter. Wir schweifen nämlich ins Jahr 753 vor Christus. Und wir verlassen sogar Griechenland, denn in Italien hat sich ganz ähnliches zugetragen, wobei die Geschichtenschreiber der Italiener das Geschehene einfach so als "original italienisch" abgestempelt haben. Sauerei. Aber ich bin ja extra hier, um damit mal gründlich aufzuräumen. In Italien ging es hierbei um die Gründung von Rom, und unsere Hauptpersonen waren Geschwister und hießen Romulus und Remus.

5.2.07 15:10


Wir stellen vor: Die wahre Geschichte

Rufen wir uns die Geschichte von Romulus und Remus doch noch einmal ins Gedächtnis. Im Großen und Ganzen ging es um zwei Brüder, die sich eben wie zwei Brüder verhalten, indem sie nichts anderes zu tun haben, als sich zu hänseln, zu streiten und zu prügeln. Nun gut, über den Mord lässt sich streiten, aber eigentlich lässt sich das alles ganz natürlich erklären. Im Wesentlichen ist die Geschichte aber eigentlich komplexer, und darum wollen wir, obwohl mir bewusst ist, dass sie da draußen die Geschichte kennen, einfach alles noch einmal Revue passieren lassen.

Romulus und Remus wollen beide eine Stadt gründen, können sich aber nicht auf einen Namen einigen und fangen deshalb, trotzig wie Kinder eben sind, beide an, eine Stadt zu bauen. Natürlich denkt keiner so weit, dass es sinnlos wäre, zwei Städte zu haben, aber denken war ja noch nie die Stärke der antiken Bevölkerung. Man bedenke Archimedes, der zwar intelligent war, aber nur getötet wurde, weil er vor lauter Konzentration seinen Namen nicht mehr wusste.

Aber zurück zu Romulus und Remus. Die beiden sprachen eine Zeit lang kein Wort mehr miteinander, Remus traute sich erst wieder etwas zu sagen, als er die eher mickrige Stadtmauer seines Bruders sah. Er muss wohl etwas gesagt haben wie "Mein Schwanz ist länger als deine Stadtmauer hoch" oder was man eben in solchen Situationen sagt. So genau wurde das nicht überliefert. Aber Remus hat noch einen draufgesetzt, indem er über die Mauer mit einem Satz drübersprang. Er hatte gewusst, dass sein liebstes Brüderchen sauer sein würde, aber dass das soweit geht, hat er wahrscheinlich nicht einkalkuliert.

Wahrscheinlich hat er einfach garnicht gedacht.

Nun, ich könnte jetzt in grausame Details gehen, aber ich werde alles abkürzen: Romulus hat Remus getötet. Setzen wir zu den schlechten Eigenschaften der Antiker dazu: arrogant, impulsiv, und jähzornig.

Wie schon erwähnt, ist diese Geschichte zwar nett, aber verfälscht und am falschen Ort zur falschen Zeit. In Wirlichkeit war das alles ganz anders. Als erstes spielte diese Geschichte in Griechenland, und zwar spät genug, um die Olympischen Spiele der Antike schon zu kennen. Und die Geschichte spielte zwischen zwei Halbgöttern. Wahrscheinlich haben sich die Römer diese Geschichte geklaut, weil sie so unglaublich menschlich war und so unglaublich gut gepasst hat zu dem, was in Italien geschehen war. Aber natürlich, lieber Leser, interessiert sie eher, was sich in Griechenland zugetragen hat.

In Wirlichkeit waren die zwei Brüder nämlich Bruder und Schwester, ebenfalls Zwillinge, ebenfalls Sprösslinge des guten alten Zeus und ihrer Mutter mit dem wohlklingenden Namen Hephaitate. Und sie hießen nicht Romulus und Remus, sondern Rumulos Hephaitate Zeus und Rena Zeus Hephaitate. Und der Streit war ebenfalls eher menschlicher Natur: Der simple Auslöser trug den Namen Eifersucht.

Während Rena nämlich ihre übermenschlichen Kräfte ganz in "den Dienst der Menschheit" stellte, und versuchte, damit Ruhm und Ehre zu erlangen, versuchte Rumulos entschlossen, die Arenen unsicher zu machen. Zu dieser Zeit gingen um die zweihundert Tote beim Pankration, etwas tausend verglühte Diskusse und fünfhundert abhanden gekommene Wurfspeere auf sein Konto. Er hatte die Olympischen Spiele so oft gewonnen, dass er eine private Sammlung an Lorbeer-Kränzen an der Wand hängen hatte. Zeus fand das natürlich ziemlich fantastisch und stand voll hinter seinem Wonneproppen.

Und wer, lieber Leser, verschwand unter den vielen Loorbeerkränzen? Genau. Die Zwillingsschwester. Diese wollte genauso an den Spielen teilnehmen wie ihr Bruder, aber Zeus hatte eine einfache Antwort auf ihre mehrfachen Anfrangen: "Schätzelein, du bist eine Frau. In Griechenland ist grad kein Platz für Emanzen. Und die Spiele der Geburtsmaschinen wurden noch nicht erfunden."

An dieser Stelle begannen Zeus und Rumulos jedesmal, sich vor Lachen fast den Feinripp, pardon, den Lendenschurz nasszumachen.

6.2.07 16:56


Der Kreis schließt sich

Rumulos starb unerwartet und grausam. Ein Diskuss war ihm in die Luftröhre, ein Wurfspeer in das Herz gesteckt worden, darüberhinaus hatte er unzählige Fausthiebe in alle Körpergegenden ertragen müssen. Weitere grausame Details sind uns nicht bekannt, die Akten darüber werden unter Verschluss gehalten, sofern sie überhaupt existieren (wie gesagt, die Aktenführung damals war eine Katastrophe). Der Mörder des Halbgottes wurde vergeblich gesucht.

Natürlich wussten zwei Menschen, beziehungsweise Götter, was geschehen war, und die Reaktionen der beiden waren höchst unterschiedlich.

Zeus belegte seine Tochter mit einem Bann. Solange dieser bestand, durfte sie keinen Tempel betreten und ihre halbgöttlichen Kräfte nicht ausüben. Rea nahm diese Maßnahme mit Gelassenheit hin.

Hephaitate nahm ihre Tochter eines Tages nach dem Mittagessen zur Seite. "Dem hast dus aber gezeigt", waren ihre weisen Worte gewesen.

Um ihren Vater nicht weiter zu erboßen, beschloss Rea, sich zurückzuziehen von der Zivilisation, in der sie als normaler MEnsch sowieso nichts bewirken konnte, sie beschloss, in die Wüste zu gehen, davon zu leben, was die Natur ihr darbot, und den Kontakt zu jeglichen anderen Personen abzubrechen, bis sie ihrem Vater wieder unter die Augen treten konnte, ohne mit Blitzen abgschossen zu werden.

Am zweiten Tag, um ein Uhr nachts, kam sie verfroren und verhungert zurück zu Hephaitate, die ihr eine warme Suppe machte. Über diesen Vorfall wurde bis heute geschwiegen. Was zwischen Rea und ihren Eltern noch geschah, ist uns nicht überliefert worden. Doch was danach geschah, das ist uns bekannt: Rea gebar zwei Töchter (die Väter sind nach wie vor unbekannt). Die erste Tochter verließ Griechenland, die zweite blieb dagegen und suchte sich einen Mann. Sie gebar zwei Töchter. So ging das über verschiedene Generationen, bis um die gleichen Stunde am gleichen Tag im gleichen Vorort von Athen zwei Kinder geboren wurden: Ein Mädchen und ein Junge. Beide waren Nachkommen jener Rea, aber beide wussten nichts davon.

Sie hatten nur eine einzige Gemeinsamkeit: Sie übten eine unglaubliche Anziehungskraft auf geflügelte Pferde aus.

Das Mädchen trug den Namen Selene. Sie war nicht besonders hübsch, wurde von den meisten ihrer Freundinnen in den Schatten gestellt. An Intelligenz mangelte es auch, in der Schule wurde sie immer wieder ermahnt, nicht über Marmor und Meißel einzuschlafen. Natürlich ahnte niemand etwas von ihrer äußerst seltenen Gabe der Traumsicht.

Der Name des Jungen war Herakles. Herakles war stark und gutaussehend, nur die Intelligenz fehlte. Natürlich wurde er verehrt, hinter seinem Rücken als Halbgott bezeichnet (was er über viele Ecken entfernt auch irgendwie war) und von allen weiblichen Wesen aus Athen angebetet. Und das schon im Alter von ungefähr 12 Jahren.

Die beiden wuchsen getrennt auf, ohne eine Ahnung von der Existenz des jeweils anderen. Zu unserem Zeitpunkt der Geschichte sind sie beide etwa 13 Jahre alt. Zu diesem Zeitpunkt wissen sie nicht von ihrer Mission. Zu diesem Zeitpunkt kennen sie sich schon. Zu diesem Zeitpunkt können sie sich nicht leiden.

10.2.07 13:23





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